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Gedanken zum Karfreitag

Und Jesus sprach: Es ist vollbracht. (Johannes 19,30)

Ausgerechnet in der Todesstunde Jesu sind sich die Verfasser der Evangelien nicht einig. Jeder weiß andere Sätze, die Jesus gesagt haben soll. Für uns ist das wie ein Rätsel. Warum sind sie sich nicht einig? Weil keiner dabei war. Weil die Berichte über Jesu Tod aus dem Hörensagen kommen. Es wurde viel erzählt nach Jesu Sterben und Auferstehen. Die einen sagten, Jesus habe laut gerufen: Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Andere wollten wissen, Jesus habe seinen Geist vertrauensvoll in Gottes Hände gelegt. Und der Evangelist Johannes weiß, Jesus habe im Sterben deutlich gesagt: Es ist vollbracht! Das Lebenswerk also ist getan.

Alles kann so gewesen sein. Hörensagen kann manches erzählen. Die Wirklichkeit mischt sich dann mit der Empfindung von Menschen. Es wird so sein, dass in der langen Sterbezeit über viele Stunden die Jesussätze so oder ähnlich gesprochen wurden. Von großer Bedeutung ist das nicht, zumal Matthäus, Lukas und Johannes jeweils auch noch besonderes Wissen hatten, das sie weitergeben wollten.

Johannes ist es wichtig zu betonen: Jesus stirbt hoch erhobenen Hauptes, jedenfalls innerlich. Ihn haben sie nicht kleingekriegt bei allem, was sie ihm vorwarfen. Am schlimmsten war wohl der Vorwurf der Gotteslästerung. Ausgerechnet Jesus, der Sohn Gottes. So kann man verkannt werden in der Menschenwelt. 

Aber Jesus trotzt der Verkennung und sagt: Es ist vollbracht! Das Werk ist getan, so lauter und aufrichtig wie möglich. Nur darum hat es ja Bestand. Das Verlogene besteht nicht, das Wütende auch nicht, die Werke der Liebe aber schon. Und mögen sie noch so klein sein: Was in Liebe geschieht, bleibt. Und was als Liebe im Namen Gottes geschieht, gesät wird, bleibt und wächst. Die Liebe, also Gott, ist in der Menschenwelt nicht kleinzukriegen. Wir müssen da gar keine Erfolge sehen, wenn wir nur wissen: Wir säen, und Gott sorgt für die Ernte. Als alle noch fest glaubten, die Sache Jesu sei vorbei, endgültig vorbei, sagt Jesus schon: Es ist vollbracht! Und ahnt zumindest, dass Gott größer ist als Menschenwelt und Tod. Gott weiß, dass er Jesus jetzt zu sich ruft. Ins Leben der kommenden Welt.

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