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Zeuge der Hoffnung

Über dem Westportal der englischen Kirche Westminster Abbey im Herzen von London stehen zehn Statuen moderner Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Darunter finden sich zum Beispiel Maximilian Kolbe, Oscar Romero oder Dietrich Bonhoeffer. Einer der zehn ist der US-amerikanische Baptistenpastor und Bürgerrechtler Martin Luther King, der vor 50 Jahren – am 4. April 1968 – in Memphis (Tennessee) ermordet wurde.

Das altgriechische Wort „Märtyrer“ bedeutet übersetzt „Zeuge“ oder „Zeugnis“. Seit dem 17. Jahrhundert hat sich im deutschen Sprachgebrauch die Übersetzung „Blutzeuge“ eingebürgert, um deutlich zu machen, dass die Märtyrer Blut und Leben für ihr Zeugnis geopfert haben.

Wofür hat Martin Luther King Zeugnis abgelegt? Da ist für den entschiedenen Kämpfer gegen die Rassentrennung zunächst einmal natürlich die Gleichheit und Gleichberechtigung aller Menschen zu nennen. Dann hat er in der Nachfolge Jesu Zeugnis abgelegt für die strikte Gewaltlosigkeit im Kampf gegen die Rassentrennung und hat dafür schon vor seiner Ermordung vielerlei Verfolgungen auf sich nehmen müssen: Bespitzelung, Verleumdung, mehrere Inhaftierungen.

Heute ist mir ein Aspekt wichtig, der manchmal in den Hintergrund tritt. Für mich ist Martin Luther King ein Zeuge für das Hoffen und Träumen. Nicht für Fantastereien oder Spinnereien, sondern für eine Hoffnung, die ihre Kraft aus dem Glauben gewinnt, dass Gott Wege kennt und Möglichkeiten hat, die das menschliche Vorstellungsvermögen weit übersteigen. Am besten kommt das in seiner berühmtesten Rede „I have a dream“ zum Ausdruck. Wovon Martin Luther King dort träumt, war für seine Zuhörer kaum vorstellbar, aber möglich. Durch Gottes Wirken, der sich zum Wahrwerden der Träume Menschen bedient, die sich in seinen Dienst stellen. Wie Martin Luther King. Und darin ist er bis heute ein Vorbild.

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