Dieses Kreuz kennen alle „Philipper“. Es ist als Signet auf dem Gemeindebrief, auf unserem Briefpapier und den Urkunden und auch auf dem Siegel der Ev. Philippus-Gemeinde zu sehen.

Das Original ist in unserer Kirche zuhause: das Kreuz, das einmal als Altarkreuz gedacht war.

Denn ursprünglich stand der Altar vor dem jetzigen bunten Tauffenster. Das Kreuz befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft dazu.

Es steht auf einem Holzsockel und ist fest im Boden verankert, ein unverrückbares, ehemals zentrales Element des Raumes. Durch die Neuausrichtung des Altars ist es ein wenig ins Abseits geraten ist.

Diese Randstellung wirkte über Jahre angemessen. Denn sie zeigte eine inhaltliche Entsprechung zu unserer heutigen Zeit an. Theologisch war die Auseinandersetzung mit der sogenannten Kreuzestheologie ein wenig an den Rand gewandert. Es bestimmten andere Themen stärker das Feld.

Seit knapp einem Jahr wird der Platz des Kreuzes wieder stärker diskutiert. Viele Gemeindeglieder wünschen sich einen näheren Bezug zum Zentrum der Kirche, dem Altar und damit auch eine Neuausrichtung  auf Kreuzestheologie.

Die Geschichte des Leidens und Sterbens Jesu könne nicht einfach übersprungen werden oder an den Rand gerückt werden, egal wie sperrig sie uns scheint. Jede Generation müsse neu für sich entdecken, welche Freiheit hier zu finden sei.

Fraglos ist es eine bleibende Aufgabe für uns Christen, das Kreuz als Symbol des Lebens zu entdecken und anderen davon zu erzählen.

An welcher räumlichen Stelle das zukünftig in der Philippus-Kirche passieren kann, bleibt eine spannende Diskussion.

Wenn Sie unser Kreuz betrachten, erkennen Sie gewiss die wie verknotet und verdreht erscheinenden Strukturen in der Mitte, die das eigentliche Kreuz bilden und die an den drei frei in den Raum ragenden Enden aufgesetzten massiven Blöcke. Ein Kreuz, das Fragen aufwirft und an dem man sich reiben kann!

Entworfen hat es der Münchener Bildhauer Professor Fritz König. Es stammt aus einer Reihe von Entwürfen für das Kruzifix, die der Künstler für die Versöhnungskirche im ehemaligen KZ Dachau gemacht hat. Die Philippus-Gemeinde konnte die Form 1973 erwerben und das Kreuz in Bronze gießen lassen.

Mit der Entscheidung für diesen Entwurf hat die Gemeinde die Ge- schichte der Judenvernichtung und die Geschichte der Vernichtung des Juden Jesus in ihre Mitte genommen. Auch diese Leidens- und Schuldgeschichte gehört zu uns.

Wie zerbrechende Knochen, die unter den Lasten zersplittern, wie Stacheldraht, aus dem es kein Entrinnen gibt, so begegnet die Mitte des Kreuzes. Die Lasten an den jeweiligen Endpunkten wirken schwer und sind kaum zu tragen. Mir ist es wichtig, unser Kreuz nicht festzulegen auf die Geschichte der Judenvernichtung.

Verdrehtes Leben, Zerstörung, Überlastung, Lasten und Überforderung kennen wir auch. Wir haben teil an den Deformationen des Lebens – als Menschen, die dazu beitragen und als Menschen, die sie zu erleiden haben. Auch unsere Lebens- und Leidensgeschichten sind in unserem Kreuz aufbewahrt.

Zugleicht erinnert es uns daran, dass Jesus auch für uns am Kreuz Himmel und Erde verbindet.

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