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„Kirche muss immer im Aufbruch sein!“ Interview mit Propst Schütz

„Kirche muss immer im Aufbruch sein!“

Interview mit Propst Dr. Klaus-Volker Schütz zur Neustrukturierung der Propstei „Rheinhessen und Nassauer Land“

Warum wurde die neue „Propstei Rheinhessen und Nassauer Land“ geschaffen?

Aufgrund des demografischen Wandels haben wir in unserer Landeskirche einen Mitgliederschwund, dem wir uns anpassen müssen. Daher ist seit einigen Jahren Kooperation ein großes Thema für uns. Es gibt Kooperationen in Gemeinden, die sich zusammenschließen, Dekanate werden fusioniert, wie hier in Rheinhessen Oppenheim und Ingelheim. Daher beschloss die Kirchensynode auch aus den bisherigen sechs Propsteien fünf zu machen, wenn die Frankfurter Pröpstin Gabriele Scherle in Ruhestand geht. Das bedeutet, dass wir anderen Pröpste alle zusätzliche Gebiete bekommen. Zum 1. Oktober kam dann zu der Propstei Rheinhessen das Dekanat Nassauer Land. Das umfasst eine Fläche 800 qm² Kilometer groß und umfasst fast den ganzen Rhein-Lahn-Kreis sowie einen kleinen Teil des Westerwaldkreises. Insgesamt sind es 150 Kommunen mit 56.000 Evangelischen in 56 Kirchengemeinden und 33 Kindertagesstätten. Ich bin seit 17 Jahren Propst für Rheinhessen und kenne die Region sowie die Mentalität der Menschen in- und auswendig. Es ist jetzt spannend für mich, nochmal einen neuen Landstrich kennenzulernen.

Welche Aufgaben haben Sie als Propst in der neuen „Propstei Rheinhessen und Nassauer-Land“?

Meine Arbeit bleibt die Gleiche, erstreckt sich nur über ein viel größeres Gebiet. Meine Aufgaben sind Visitieren und Orientieren. Ich besuche die Kirchengemeinden, schaue, wo es gut läuft und wo Verbesserungen nötig sind, bin Ansprechpartner für die Dekane und Pfarrer, halte Festgottesdienste und bin bei Kirchenjubiläen dabei. Im Bereich der Orientierung obliegt es mir, die Belange der Region in die Kirchenleitung einzubringen sowie theologische Fragen zu klären. Wie beispielsweise die Haltung zur Ehe für alle, die Gestaltung des ökumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt, Sonntagsschutz oder Fragen der kirchlichen Digitalisierung. Wir wollen ja nicht in alten Dogmatiken verharren, sondern gesellschaftlich relevante Themen immer neu diskutieren. Kirche muss immer im Aufbruch sein, sonst ist sie tot!

Wie werden Sie die Menschen in einem so großen Gebiet zusammenbringen? 

Die Verbindung liegt auf der Hand: Beides sind rheinland-pfälzische Gebiete. Rund ein Drittel des Gebiets der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau liegt und arbeitet in Rheinland-Pfalz. Darauf müssen wir den Fokus legen. Ich habe über die letzten Jahre immer bewusst rheinland-pfälzische Themen in die Kirchenleitung eingebracht und umgekehrt den Kontakt zur Landesregierung gepflegt.

Man muss aber auch nicht so tun, als gäbe es jetzt eine große Einheit. Mit der neuen Propstei entsteht aber kein neues Gebilde, sondern es ist eine Propstei, die aus zwei Gebieten besteht Rheinhessen und das Nassauer Land. Jedes hat eine eigene Identität und bringt seine eigenen gesellschaftlichen und strukturellen Fragen mit sich. Ich denke aber, dass wir über die alltägliche Arbeit Stück für Stück zusammenwachsen werden. Die Arbeit der Propste und Pröpstinnen lebt durch die Nähe zu den Gemeinden und Dekanaten. Ich werde mich bemühen, diese Nähe auch auf dem erweiterten Gebiet aufrechtzuerhalten.

Dieses Jahr wurde überall das das 500-jährige Reformationsjubiläum gefeiert. War das ein guter Anlass für die Evangelische Kirche zu zeigen „Wir sind da!“?

Das Reformationsjubiläumsjahr war eben solch ein Aufbruch, von dem ich sprach! Es wurde in den Gemeinden und Dekanaten viel Neues ausprobiert, um den Menschen unseren Glauben näherzubringen. Wir brauchen neue Formate und Events. Dabei muss Kirche aber auch immer Heimat für die Menschen bleiben und Spiritualität, Meditation und Exerzitien bieten. Unsere Kirche braucht Breite und Tiefe!

Zur Person:

Dr. Klaus-Volker Schütz, 1956 in Frankfurt am Main geboren, hat in Frankfurt und Mainz Evangelische Theologie studiert. Nach dem Vikariat, der Promotion im Fach Praktische Theologie/Pastoralpsychologie bei Gert Otto und einer psychotherapeutischen Ausbildung wurde er 1989 zum Pfarrer ordiniert. Mehrere Jahre war er als Gemeindepfarrer in Geisenheim im Rheingau tätig. Zum 1. April 2000 wurde er von der Kirchensynode in das Amt des Propstes für Rheinhessen gewählt. Seit 1. Oktober 2017 ist er nun Propst für Rheinhessen und das Nassauer Land.

Propst Schütz möchte mit seiner Arbeit zu einer offenen, einladenden und gewinnenden Kirche beitragen, ihre Binnenorientierung überwindet und sich in aktuelle Fragen einmischt. Dienstort des Propstes ist Mainz, wo er „Am Gonsenheimer Spieß 1″ zu finden ist.

Propst Schütz ist mit der Kinder- und Jugendbuchillustratorin und Diplom-Designerin Pia Eisenbarth-Schütz verheiratet und wohnt in Schwabenheim an der Selz.

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