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Eine Einladung zum gemeinsamen unglauben

Die Jahreslosung – ein Rätsel
Nicht wenige Kommentator*innen wundern sich über die Widersprüchlichkeit der Jahreslosung 2020.
„Ich glaube – hilf meinem Unglauben!“ ruft ein verzweifelter Vater, der auf Heilung seines Sohnes hofft, Jesus zu.

Ja, was denn nun? Glaubt er oder nicht? Oder ist das so ein Metaphysikding alla der Katze in der Box1, also Schrödingers Glaube?

Ich glaube das nicht. Weil Glaube sich immer auch als Unglaube abspielt. Weil der Zweifel so fest zur Gewissheit gehört wie die Rolling zu den Stones und der Tod zum Leben. Weil sich Glauben besser erzählen als  definieren lässt, vielleicht ja so:

Kleine Geschichte vom Unglauben
Ich glaube eigentlich nicht, sagt der Mann. Ich weiß nicht, ob ich ungläubig bin, aber so richtig glauben tue ich nicht.
Ich zweifle, suche, denke nach.
Und etwas mache ich gerne. Wenn ich in der Nähe einer Kirche bin oder sonntags Zeit dazu habe, gehe ich in die Kirche und schaue anderen beim Glauben zu.
Es mag seltsam klingen, sagt der Mann, aber das erfreut mich. Manchmal stärkt es auch. Menschen mit Gewissheiten tun mir gut. Sie zeigen, dass Zweifeln auch mal ein Ende haben kann. Wenn auch eher für kurze Zeit.
Für die Zeit vielleicht, in der man Gott lobt und dankt.

Die Jahreslosung – eine Einladung
Hier wie überall und immer ist Leben ein Unglauben auf der Schwelle zum Glauben (und umgekehrt, also doch Schrödingers Glaube!).

Wann immer Ihnen danach ist, schauen Sie den Menschen zu, die in der Philippus-Gemeinde diese Schwelle übertreten. Und wenn Sie mehr wollen, dann wagen Sie ruhig den einen zusätzlichen Schritt und schauen bei uns rein – auf dass wir gemeinsam ein wenig glaubend unglauben  (oder umgekehrt? Nicht nur Schrödinger würde sich freuen!).

1https://de.wikipedia.org/wiki/Schrödingers_Katze