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Rundgang durch die Philippus-Gemeinde:

Fotovoltaik-Anlage auf dem Kirchendach - ein Modell, das zum Nachahmen auffordert
Der virtuelle Rundgang: Besichtigen Sie...
Treffender als in der Rundfunkandacht kann man die "Geburt" dieser Anlage auf dem Dach des Gemeindezentrums der Philippus-Kirche nicht beschreiben, die Pfr. Andreas Klodt im Rahmen der SWR1-Anstöße am 11.08.2007 gehalten hat.

(c) google Die ersten Planungen reichten schon einige Jahre zurück (ca. 2002), konnten aber aus finanziellen Gründen nicht in die Tat umgesetzt werden.

Ein neuer Denkansatz begann im Herbst 2005 im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Kirchenraums. Mit der Öffnung der Decke im vorderen Bereich des Kirchen-"Mittelschiffs" sollte mit einer sog. Laterne die spirituelle Konzentration auf den Altarraum gelenkt werden. Daneben sollte auch ein praktischer Nutzen durch Umwandlung des Sonnenlichtes in (regenerative) elektrische Energie erzielt werden, um damit einen kleinen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten.


Folgende Finanzierungs- u. Betreibermodelle wurden recherchiert, rechtlich und wirtschaftlich kalkuliert:
  • Die Errichtung und der Betrieb der PV-Anlage durch die Philippus-Gemeinde aus eigener Kraft bei Finanzierung aus eigenen Haushaltsmitteln bzw. mit Hilfe von KfW-Krediten; 

  • die Errichtung der Anlage nach dem RIO-Modell: Danach würde die Fa. Rio-Energie eine „standardisierte“ Photovoltaik-Anlage auf eigene Kosten auf unserem Dach errichten und sie -unter Erhalt aller Einspeiseerlöse- über einen Zeitraum von rund 17 Jahren betreiben. Nach Ablauf dieser Zeit würde die Solaranlage ins Eigentum der Philippus-Gemeinde übergehen als neuer Betreiber der PV-Anlage für eine Restlaufzeit von ca. 10-15 Jahren;

  • die Installation der Anlage durch die Dachdeckerfirma, die vor einigen Jahren das Flachdach saniert hat. Nach diesem Modell würde sie die gesamten Investitionskosten übernehmen und die Erlöse aus dem Stromverkauf erhalten. Die Gemeinde hätte von einer 20-jährigen Garantie profitiert und das Dach und die Solaranlage von der Dachdeckerfirma kostenlos gewartet bekommen;

  • die Errichtung und der Betrieb durch eine von Gemeindemitgliedern und weiteren Interessierten gegründete sog. "Gesellschaft bürgerlichen Rechts" (GbR): Dabei werden die erforderlichen Investitions- mittel durch Gesellschafter aufgebracht, die als Betreiber der PV-Anlage auch über die Einspeiseerlöse aus dem Stromverkauf verfügen dürfen. Das Rechtsverhältnis zwischen Gemeinde und GbR würde über einen Gestattungsvertrag geregelt werden.
Nach Abwägung aller Argumente wirtschaftlicher und (vertrags-)rechtlicher Art, aber auch solcher, die die Möglichkeiten der Identifizierung der Gemeinde mit einer solchen Anlage betraf, hat sich der Kirchenvorstand auf Basis einer "Statischen Machbarkeitsuntersuchung zur Aufstellung einer Fotovoltaikanlage ..." in seiner Sitzung am 19.09.2006 für einen Gestattungsvertrag mit  einer GbR zur Errichtung und zum Betrieb einer PV-Anlage auf dem Dach des Gemeindezentrum ausgesprochen. Dieser Gestattungsvertrag, der bei Interesse zur Verfügung gestellt werden kann, regelt das Innenverhältnis zwischen Gemeinde und Gesellschaft. Er wurde von der juristischen Abteilung der EKHN, Darmstadt, überprüft und freigegeben. Das Besondere an diesem Gestattungsvertrag ist, dass die Gemeinde großzügig auf einen Pachtzins verzichtet hat.

Dieses Modell hat den Vorteil, dass sich Gemeindeglieder und andere Interessierte, die Solarstrom erzeugen wollen, aber selbst über kein oder kein geeignetes Dach verfügen, aktiv und unmittelbar engagieren können. Gemeindeleben kann dadurch noch lebendiger Gestalt annehmen.

(c) Windows Life Search MapsHierzu ist der Kirchenvorstand eine Kooperation eingegangen mit der Kreisgruppe Mainz-Stadt des BUND für Umwelt und Naturschutz e. V.. Sie hat der Philippus-Gemeinde über Elke Blänsdorf, BUND, und Holger Gretzschel von der Fa. Energie und Finanzen, Katzenelnbogen, ihr know how zur Gründung und finanztechnischen Verwaltung einer GbR nach dem Modell des Bürgersolardachs auf dem Dach einer städtischen Kindertagesstätte [202 kB] in Mainz-Gonsenheim zur Verfügung gestellt (mehr).  Holger Gretzschel ist gleichzeitig Partner der zukunftswerkstatt Einrich e. V. (Zentrum für erneuerbare Energien und ökologisches Bauen im Rhein-Lahn-Kreis), der 2006 mit dem Umweltpreis des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet wurde.

Einer Infotafel im Gemeindezentrum konnten Interessierte ein Faltblatt [251 kB] entnehmen mit allen wichtigen Fakten. Die "Akquisition" wurde mit einer Info-Veranstaltung [160 kB] am 14.03.2007 im Gemeindezentrum eröffnet und setzte sich auf lokaler Ebene mit der Teilnahme am 1. Mainzer Sonnen-Markt am 28.04.2007 fort, der von der Stadt Mainz im Rahmen des Lokale Agenda 21-Prozesses ausgerichtet wurde und wo unser Projekt am BUND-Stand präsent war. In mehreren Gemeindebriefen (4/2006, 1/2007, 2/2007) und Presseberichten wurde über den aktuellen Stand des Projektes informiert. 

Zeitgleich wurden die Planungen vorangetrieben und optimiert. Es wurden Angebote verschiedener Errichter-Firmen eingeholt. Anfangs nur von einer 8,1 kW(p) kleinen Anlage ausgehend, konnte den Interessierten der Gründungsversammlung am 14.06.2007 schließlich die Konfiguration einer 13,33 kW(p) großen Anlage der Fa. Ökotherm Energiesysteme GmbH, Wiesbaden, präsentiert werden.  

Die Rentabilität der Anlage wurde mit einer Wirtschaftlichkeitsrechnung [440 kB] und einem sog. Zins- und Tilgungsplan [11kB] (hier jeweils das Beispiel eines früheren Anlagenkonzeptes) nachgewiesen unter der konservativen Annahme, dass die PV-Module jährlich nur eine Solarstrommenge von 900 - 950 kWh pro angeschlossenem kW(p) erzeugen; die mittleren Solarerträge in Deutschland liegen höher.

Dem Gesellschaftsvertrag, der Interessierten ebenfalls zur Verfügung gestellt werden kann, traten 18 Gesellschafter mit Einlagen zwischen 1.000,- und 7.500,- € bei. Die Nachfrage war dabei so überwältigend, dass die Gesellschafter ihre ursprünglich vorgesehenen Anlagebeträge reduzieren mussten, um möglichst vielen Interessenten den Beitritt zur "Philippus Solar GbR" zu ermöglichen. Auch wenn zum Zeitpunkt der Gründung drei Kirchenvorstandsmitglieder der GbR beigetreten sind, so ist die Gemeinde selbst nicht in der Gesellschaft vertreten. 13 der 18 Gesellschafter sind Mitglieder der Philippus-Gemeinde.

Vorgabe der Kirchenbauleitung war, dass die PV-Module ohne Durchdringung der Dachhaut aufgestellt werden mussten. Dies erfolgte üblicherweise mittels sog. ConSolen, das sind Kunststoffwannen, auf die die PV-Module mit einem Neigungswinkel von 25° montiert werden; die ConSolen werden -mit Ballast beschwert- einfach auf das Flachdach aufgelegt.

Der Abschluss des 1. Bauabschnitts und der Anschluss an das öffentliche Stromnetz wurde bei bester Sonne und Saft aus sonnengereiften Äpfeln am 06.10.2007 mit einer kleinen Einweihungsfeier auf dem Dach des Gemeindezentrum begangen. Ehrengäste waren die Präses des Dekanats Mainz, Frau Dr. Pfeiffer, sowie der Landesvorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz e.V., Dr. Bernhard Braun.  

Der 2. Bauabschnitt gestaltete sich etwas schwieriger: Da sich die Anlage auch über zwei Shed-Dächer erstrecken sollte, mussten die Module jeweils über ein die Shed-Dächer überspannendes Traggestell aufgeständert werden. Um unerwartete Mehrkosten aufgrund konstruktiver und statischer Anpassungen an die Örtlichkeiten aufzufangen, wurden die Traggestelle etwas stärker ausgelegt, um jeweils noch eine zweite Modulreihe aufnehmen zu können. Somit ergab sich inzwischen eine Anlagengröße von 19,78 kW(p). Ferner musste die Anordnung der Module auf den Gestellen aus bau-ästhetischen Gründen noch etwas modifiziert werden.

Die zusätzlichen Investitionsmittel wurden in einer weiteren Gesellschafterversammlung am 06.10.2007 eingesammelt, indem einige Altgesellschafter ihre Einlagen auf 10.000,- € erhöht haben und weitere zwei Gemeindemitglieder der Gesellschaft beitraten.



Am 17.12.2007 schließlich ging die komplette Anlage ans Netz - und speist munter ein. Der Zählerstand an Silvester 2007 wies genau 2008 kWh aus - ein gutes Omen für das erste der kommenden 20 Jahre, in denen jede eingespeiste
kWh nach dem Energieeinspeisegesetz (EEG) mit knapp unter 50 ct vergütet wird.

Die Ertrags-Entwicklung der Anlage kann übrigens zeitnah verfolgt werden: Schauen Sie sich einfach die Ertragsdatenbank der Fa. Ökotherm-Solartechnik an; unsere Anlage finden Sie unter Nr. 149.

Aufgabe für 2008 war nur noch die Anpassung der Blitzschutzanlage an die neuen Dachaufbauten und die Konfiguration der automatischen Fernüberwachung, den
"Solarlog", über die Sie sich selbst tagesaktuell auf die Anlagenleistung aufschalten können.

Ergänzende Informationen:

  • Leitfaden "Photovoltaikanlagen für Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche der Pfalz"
Weitere Informationen: Michael Ziese, mobil: 0171 3397615
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