Willkommen auf der Homepage der Ev.Philippus-Gemeinde Mainz-Bretzenheim

Rundgang durch die Philippus-Gemeinde:

Das Pfarrhaus und der ehemalige Betsaal

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Das Pfarrhaus

Ab dem Jahre 1884 bildeten die evangelischen Christen in den damals noch nicht eingemeindeten Vororten (Mombach, Gonsenheim, Finthen, Bretzenheim, Marienborn, Hechtsheim und Weisenau), die vorher zur Ev. Kirchengemeinde Mainz gehört hatten, eigene Gemeinden, die als "Landpfarrei Mainz" pfarramtlich verbunden wurden. Die Schaffung einer kirchlichen Gebäude-Infrastruktur begann in den verschiedenen Orten grundsätzlich mit einem Versammlungsort für die Gemeinde. Der Pfarrer der Landpfarrei, als deren Hauptort Mombach galt, wohnte dort zur Miete, für seinen Pfarrassistenten wurde in Bretzenheim ebenfalls eine Wohnung angemietet. In den mitgliederstarken Gemeinden Gonsenheim, Weisenau und Bretzenheim (letzteres auch zuständig für Hechtsheim und Marienborn) gab es schnell Bestrebungen, sich aus dem Verband der Landpfarrei zu lösen und jeweils eine eigene Pfarrstelle einzurichten. Entsprechend bemühte man sich um den Bau eines Pfarrhauses.


Foto aus dem Jahr 2001 - vor der RenovierungFür Bretzenheim sah diese Diskussion so aus: Im Jahr 1908 argumentierten Gesamtgemeindevertretung Mainz-Land, Großherzogliches Oberkonsistorium und Gustav-Adolf-Verein (letzterer war als Geldgeber in Mainz sehr aktiv), dass ein Pfarrhaus als Wohnung für die teilweise jährlich wechselnden und nicht selten alleinstehenden Pfarrassistenten ungeeignet sei. D.h. der Bau eines Pfarrhauses sollte erst nach Aufhebung der pfarramtlichen Verbindung mit der Landpfarrei und der Einrichtung einer eigenen Pfarrstelle erfolgen. Die Gemeinde wollte darauf nicht warten: Erst der Bau eines Pfarrhauses werde die Gemeinde auch für mögliche Bewerber auf die Pfarrstelle interessant machen. Offensichtlich setzte sich die Gemeinde mit ihrer Sicht der Dinge durch und erreichte die Baufreigabe. Gleichzeitig war sie in der Lage, sich die notwendigen Geldmittel zu leihen. - Nach Baubeginn im Oktober 1909 zog am 28.10.1910 Pfarrassistent Grein in das gegenüber dem Betsaal von 1893 und am Rand der damaligen südlichen Ortserweiterung neu errichtete Pfarrhaus ein.

Im Jahre 1915 bekam Bretzenheim dann auch eine eigene Pfarrstelle. - Nach dem Pfarrhaus in Weisenau (1893) und den Pfarrhäusern der Christuskirche (1903) war Bretzenheim der vierte evangelische Pfarrhaus-Neubau in Mainz. Nachdem das ev. Pfarrhaus in Weisenau im letzten Krieg zerstört wurde, ist das Haus in der Hochstraße 16 das älteste als ev. Pfarrhaus errichtete Gebäude in den mittlerweile eingemeindeten Vororten; in der Bauzeit wurden Haus und Ort noch als "im rheinhessischen Hügelland gelegen" beschrieben. Kirchenpolitisch wurde mit dem Bau des Pfarrhauses der Wille dokumentiert, auch in dem damals noch immer katholisch geprägten Bauerndorf Bretzenheim, dessen Ev. Kirchengemeinde laut kirchenamtlicher Beschreibung "die ärmste" des ganzen Großherzogtums war, Präsenz zu zeigen. Dabei wollte man sich nicht lumpen lassen.

Foto aus der Pfarrchronik von 1910Zum Haus selbst heißt es in der Pfarrchronik:  "Das Jahr 1909 stand unter dem Zeichen des Pfarrhausbaus, der nach langen Verhand- lungen endlich Ende Oktober in Angriff genommen werden konnte. Die Maurerarbeiten wurden Peter Bußler in Bretzenheim übertragen, die Zimmererarbeiten Meister Borg, der mit seiner Arbeit so weit war, dass gleich im Neuen Jahr das Dach aufgeschlagen werden konnte.

(1910) Im Mai wurden die Innenarbeiten aufgenommen, nach mancherlei Verzögerungen konnte das Haus am 28. Oktober be- zogen werden. Es geschah das ohne besondere Feierlichkeit. Vier- zehn Tage später war der Kirchenvorstand und der Vorstand des evang. Vereins zum Kaffee im Pfarrhaus. Von außen macht es einen stattlichen, von innen einen gemütlichen Eindruck. Alle Besucher waren entzückt von der gemütlichen Stimmung, die in allen Räumen herrscht. Prof. Pützer äußerte, es sei in Bezug auf Raumaufteilung und Anlage das schönste Pfarrhaus, das in den letzten Jahren in Hessen gebaut worden sei. Durch die lange Bauzeit war es vorzüg- lich ausgetrocknet. Die Luftheizung funktionierte ausgezeichnet. Am Ende des Jahres war die Abrechnung noch nicht ganz fertig, doch war schon abzusehen, dass trotz einiger Überschreitung die aufge- nommene Summe von 16000 Mark ausreichte."                                                      Andreas Klodt, 22.08.2002                                                                                   
die noch junge Sommerlinde im Frühjahr 2005Im Jahr 2002/2003 wurde das Pfarrhaus von außen renoviert und im Januar 2003 unter Denkmalschutz gestellt. Die neue Farbgebung entspricht den Auflagen des Denkmalschutzes und lehnt isch an die ursprünglichen Farben an.

Bis 2004 stand noch ein echter Zeitzeuge aus der Anfangszeit der Gemeinde unmittelbar vor dem Pfarrhaus: Die Linde. Sie muss kurz nach dem Bau des Pfarrhauses gepflanzt worden sein. Auf dem ältesten Foto von 1910
fehlt sie noch, das Alter wurde aber auf 90 Jahre geschätzt.

Wie sich herausstellte, ist ihr Stamm durch unsachgemäße Rückschnitte in den vergangenen Jahrzehnten von innen heraus verfault und war nicht mehr standsicher.  Etwas unterhalb vom ursrpünglichen Standort wurde 2004 als Ersatz eine bienenfreundliche Sommerlinde -der klassische Pfarrhausbaum- gepflanzt.

Foto aus dem Jahr 2001

Der ehemalige Betsaal

Nach der Gemeindegründung 1886 wurde zuerst der Gottesdienst in einer Wirtschaft gefeiert, später mit großzügiger Unterstützung des Gustav-Adolf-Werks ein neugotischer Kirchraum gebaut, der 1893 eingeweiht wurde: Der Betsaal. (Ecke Pfarrer-Veller-Straße / Hochstraße).

Er wurde nach der Einweihung des Gemeindezentrums 1973 verkauft und ist heute in Privatbesitz.

Weitere Informationen zur Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde in Bretzenheim erhalten Sie hier.

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Eine Kirchengemeinde in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau