1991-1995 wurde dort im Auftrag
des Deutschen Archäologischen Instituts unter Leitung des
Archäologen der noch aufrecht stehende Tempel aus der severischen
Zeit (3. Jhdt.) und sein Umfeld zum großen Teil freigelegt und
untersucht.
Die ältesten Scherbenfunde stammen aus der Zeit Jesu. In die
frühe Kaiserzeit der Römer datiert vermutlich eine ca. 54 cm
große, klassizistische Bronzefigur eines
Apollon mit Flöte und
Kithara. Sie war sicherlich nicht die im Tempel verehrte Hauptgottheit;
wahrscheinlich wurden dort eher eine Himmelsgottheit oder ein
Sonnengott verehrt.
Bei den Grabungen wurde unter dem Tempel eine Felsspalte entdeckt und
ein Gewölbe unter dem Cella-Niveau rekonstruiert, was für die
Funktion als Orakelheiligtum wie im sagenumwobenen Delphi spricht.
Unter ganz eigentümlichen Umständen wurde der Apollon
offenbar im 4. Jh. n.Chr. in einem der dem Tempel benachbarten, noch
heute in Syrien typischen Trullis – kegelförmigen Lehmbauten –
sorgfältig vergraben und glücklicherweise nicht
zerstört. Ob die Menschen in Seriana damals ihre Reliquie vor dem
dort inzwischen etablierten Christentum retten wollten?