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Weihnachten in der Nuss
Liebe Leserin, lieber Leser!
Lebkuchen im September - da zucke ich auch zusammen. Andererseits gehöre ich auch nicht zu den Puristen, die vor dem 1. Advent oder gar, noch korrekter, vor Heiligabend keine Weihnachts-Süßigkeiten anrühren. Ich habe mich für einen Mittelweg entschieden: Für mich beginnt die Beschäftigung mit Weihnachten im Oktober.
Denn jedes Jahr im Oktober lässt der Nussbaum im Garten des Pfarrhauses Nüsse herabprasseln. Er müsste das nicht; ich kann es mir nur so erklären, dass er sehr selbstlos ist und mich mag. Schließlich habe ich ihn nicht gepflanzt, ich pflege ihn überhaupt nicht, und nachdem er im Sommer die Mücken oder Schnaken ferngehalten hat, gibt er regelmäßig auch noch diese stattliche Anzahl von handlichen Nüssen. Lange vor Lebkuchen, Dominosteinen und Schokoladen-Nikoläusen bilden die Nüsse den Grundstock der zusätzlichen Vorräte für Weihnachten. Das ist nicht nur praktisch, weil es einen Posten auf der Einkaufsliste und Geld spart, sondern auch überaus freundlich von dem Nussbaum: Ein großer Gärtner bin ich nämlich nicht. Aber während ich mich bücke und die Nüsse mit der Hand so gut es geht säubere und von den Resten ihrer grünen Hülle befreie, gibt er mir das Gefühl, etwas zu ernten. Er lässt mich teilhaben am Kreislauf der Natur, an Saat und Ernte, Sommer und Winter, Frost und Hitze, Tag und Nacht. Ein sehr vorteilhafter Tausch für mich: ich investiere eine halbe Stunde Einsammeln und bekomme die Lebenskraft eines ganzen Jahres. Ich darf ernten, wo ich nicht gesät habe.
Mit Weihnachten ist es ähnlich: Jedes Jahr im Dezember lässt Gott an Weihnachten seine Liebe herabprasseln. Er müsste das nicht; ich kann es mir nur so erklären, dass er sehr selbstlos ist und uns mag. Schließlich kümmern wir uns wenig um ihn, und nachdem er uns wieder ein ganzes Jahr versorgt, bewahrt und nicht selten auch vor Schlimmerem gerettet hat, schenkt er uns an Weihnachten auch noch seine Liebe. Für manchen ist das eine harte Nuss, um die er lieber einen Bogen macht. An Weihnachten bekommen wir gesagt: Das Wichtigste kannst du dir nicht kaufen. Den Weg zu Aldi, Tengelmann und Konsorten kannst du dir sparen. Es ist einfach ein Geschenk. Das ist überaus freundlich von Gott. Wir dürfen Liebe ernten, wo wir gar nicht gesät haben. Denn begonnen hat die ganze Geschichte ja schon lange vor unserer Zeit, vor 2000 Jahren, als Jesus Christus im Stall von Bethlehem zur Welt kam. "Handlich" hat sich Gott da gemacht. So, dass wir es gut fassen können. Es ist ein sehr vorteilhafter Tausch: Wir brauchen nur unsere Ohren aufzumachen und tauschen ein wenig Zuhören gegen die Botschaft von Gottes Liebe. Wir werden hineingestellt in die unend-liche Geschichte der Zuneigung Gottes zu seinen Menschen.
Weihnachten ist eine einmalige Chance, Gott kennenzulernen und zu verstehen, was ihm wichtig ist.
An Weihnachten ist Gottes Botschaft so klar und einfach, dass sie sogar in einer Nuss Platz hätte. Und Gott ist uns so nah wie der Nussbaum hinter dem Haus.
Ich wünsche Ihnen frohe und von Gott erleuchtete Weihnachten!
Andreas Klodt, Pfr.
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