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Forum: Rückblick - Klaus Berger in Mainz Klaus Berger, Professor für Neues Testament in Heidelberg, war zu Beginn der Passionszeit ins Gemeindezentrum gekommen, und ca. 70 Interessierte wa-ren der Einladung zum Forums-Abend gefolgt. Berger stellte sich dabei vor als Anwalt der Bibel, der die Gedanken seiner "Klientin" zum Thema Leid vertreten will:
In der Bibel gibt es keine Antwort auf das Warum des Leids, die Bibel sagt nur etwas über dessen Wozu.
Das hat seinen Grund in der Schöpfungsgeschichte. Sie erzählt, dass Gott das Lebensfeindliche und Lieblose nicht etwa gemacht hat, sondern es vorfindet.
Doch mit der Schöpfung errichtete Gott eine Oase des Lebens inmitten der Wüste des lebensfeindlichen Chaos (auf hebräisch heißt das Tohuwabohu). Trotzdem ist das Lebensfeindliche noch da. Denn Gottes Schöpfung ist bis heute noch nicht vollendet. Ihr Ziel, Leben immer weiter auszubreiten, ist bis heute noch nicht überall verwirklicht. Das liegt auch daran, dass Gott nicht einfach allmächtig ist. Er kann das Reich des Lebens nicht einfach beginnen lassen. Die Durchsetzung von Gottes Herrschaft ist vielmehr abhängig davon, ob die Menschen diesen Herren und die Gemeinschaft mit ihm überhaupt wollen.
In dieser Situation kann selbst aus etwas Lebensfeindlichem wie dem Leid noch etwas Gutes entstehen. Es kann nämlich die Menschen Gott in die Arme treiben. Denn "Not lehrt beten", und wenn man in der Verzweiflung zu Gott schreien kann, dann zeigt es sich, dass man wirklich auf Gott setzt.
Damit bekommt das Leid zwar keinen "Sinn", aber doch eine "Funktion": Es soll zu einem wirklich tragfähigen Verhältnis zu Gott beitragen. Irdisches Leiden und irdischer Tod können zur Erinnerung dafür werden, wie bedroht Leben ständig ist. Und sie können zur Aufforderung werden, nicht das wirklich Wichtige, das Herz, die Seele, die Auferstehung aufs Spiel zu setzen, sondern sich Gott zuzuwenden. Denn nach allem, was wir erkennen können, will der Gott der Bibel als Einziger über-haupt immer wieder nur Leben. Und so ist auch immer wieder nur Gott die einzige Chance, dass sich das Leben und nicht der Tod und das Böse durchsetzt.
Es folgte eine intensive Diskussion.
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