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Weihnachten 2000

Es gibt Wörter, die sind bedroht. Ja, wirklich. Genau so wie Völker, Tier- und Pflanzenarten können auch Wörter von Vernichtung bedroht sein.

Das geht ganz einfach. Sie werden totgeschwiegen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bedrohte Wörter werden kaum noch in den Mund genommen. (Höchstens von eini-gen Verrückten.) Und weil sie kein Mensch mehr benutzt, versteht man irgendwann gar nicht mehr, was diese Worte sagen wollen.

Eines dieser Wörter ist: "Menschenliebe". So ungewohnt, dass ich es in Anführungszeichen setze. Es ist mittlerweile ein richtiger Außenseiter. Man bekommt es nicht mehr zu hören. Menschen gibt es, viele Milliarden. Liebe gibt es auch, z. B. bei Trauungen. Aber Menschenliebe haben die Menschen nicht, zumindest nicht als Wort. Vielleicht ist es auch einfach zu anspruchsvoll, und den Mund soll man ja nicht zu voll nehmen. Wer schafft das schon, die Men-schen zu lieben. Nur keine falschen Versprechungen.

Zum Glück gibt es ein Reservat für bedrohte Wörter: Die Bibel. Da stehen sie an ihrem Platz und warten darauf, dass sie jemand gebrau-chen kann. Die Menschenliebe wartet im Titusbrief: "Als die Menschenliebe Gottes erschien, machte er uns selig." Sie ist gerade zu Weihnachten be-sonders wichtig. Ohne dieses Wort kann man Weihnachten eigentlich nicht richtig verstehen. Je weniger von diesem Wort die Rede ist, desto dürftiger fällt Weihnachten aus. Denn Weihnachten ist Menschenliebe Gottes pur. Mit seinen kreative Augen betrachtet, werden wir alle liebenswert.

Das schaffen Menschen nicht. Menschen sehen Menschen an und taxieren sie. Menschen suchen sich jemanden, den sie liebenswert fin-den können. Das ist nicht wenig. Aber Gottes Blick kann mehr. Er ist schöpferisch. Gottes Blick macht Menschen liebenswert.

Freuen wir uns über diese Menschenliebe Gottes. Reden wir darüber. Unterstützen wir Gott durch unsere eigene Menschenliebe. Streichen wir zu Weihnachten die Menschenliebe von der Liste der bedrohten Wörter.

Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Fest!

Ihr Andreas Klodt, Pfr.

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