Dienstag, 21.01.2003, 20.00 Uhr:
Andrea von Vultejus, Germanistin und Theologin, Mainz
Deutsche Vergangenheit
im Spiegel der Gegenwartsliteratur
Am Beispiel von Günter Grass "Im Krebsgang"
"Und plötzlich mit einem Schiffsnamen als Suchwort - hatte ich die richtige Adresse angeklickt: www.Blutzeuge.de. In gotischen Lettern klopfte eine "Kameradschaft Schwerin" markige Sprüche. Lauter nachträgliches Zeug. Mehr zum Lachen als zum Kotzen".
(Günter Grass, Im Krebsgang)
Es ist die wohl größte Schiffskatastrophe aller Zeiten, der Untergang der "Wilhelm Gustloff" am 30. Januar 1945 in der Ostsee nordwestlich von Danzig, die Günter Grass in seinem jüngsten Buch thematisch aufgreift. Infolge der Torpedierung durch ein sowjetisches U-Boot sind auf diesem Flüchtlingsschiff rund sechs Mal mehr Menschen umgekommen, als auf der reichlich Film- und Romanstoff bietenden "Titanic". Mit einer spannenden, auf Enthüllung drängenden Handlung aus der Gegenwart webt Grass ein dichtes Erzählnetz aus historischen sowie fiktiven Personen und Ereignissen.
Aber: "Warum erst jetzt" - Schon die erste Zeile dieser Novelle wirft viele Fragen auf. Warum wurde diese Tragödie nicht nur in Ost- und Westdeutschland, sondern auch in der Sowjetunion verdrängt und wir kann sie jetzt literarisch angemessen zur Sprache gebracht werden? Welchen Auswirkungen hat das tabuisierte Geschehen auf die betroffene und die nachfolgenden Generationen? Wie kann diese Vergangenheit pädagogisch und politisch verantwortungsvoll aufgearbeitet werden?
zu den aktuellen Veranstaltungen
des Bretzenheimer Forums
|