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Dr. Vicco von Bülow Freitag, 09.05.2003, 20.00 Uhr

Dr.Vicco von Bülow, Kirchliche Hochschule Bethel

Evangelische Kirche zwischen Theologie und Politik

Der reformierte Theologe und Kirchenpolitiker Otto Weber im Jahr 1933
Wie evangelische Kirchen zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft im Spannungsfeld zwischen Theologie und Politik standen, kann exemplarisch an der Geschichte des reformierten Theologen und Kirchenpolitikers Otto Weber (1902-66) nachvollzogen werden.

Spätestens seit 1932 waren die NS-treuen "Deutschen Christen" ein wichtiger Faktor innerhalb der evangelischen Kirchen in Deutschland geworden. Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten verstärkte sich dies. Das Jahr 1933 war kirchenpolitisch ein äußerst bewegtes Jahr. Der Höhepunkt schien erreicht, als der deutsch-christliche Pfarrer Ludwig Müller im September 1933 Reichsbischof wurde. Allerdings gab es auch gegenläufige Tendenzen, für die die Namen Dietrich Bonhoeffer oder Karl Barth stehen und die dann in die "Bekennende Kirche" mündeten. Von ihr stammt die Barmer Theologische Erklärung (Mai 1934).

Otto Weber jedoch war 1933 sowohl der NSDAP als auch den Deutschen Christen beigetreten und hatte kirchenpolitisch in der ersten Reihe gestanden. In mancher Hinsicht agierte er ganz im Sinne des Systems. Auch nachdem er 1934 Theologieprofessor in Göttingen geworden war, blieb er dem Nationalsozialismus treu. Erst später distanzierte er sich hiervon.

So verlief der Übergang nach 1945 für ihn äußerlich weitgehend unproblematisch. In der Folgezeit wurde Otto Weber einer der einflussreichsten Vertreter reformierter Theologie in Deutschland. Seine zweibändigen "Grundlagen der Dogmatik" (1954/1962) wurden zum viel gelesenen Lehr- und Lernbuch.



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